Betonfertigteile für historische Villa
Im Berliner Stadtteil Karlshorst steht ein bemerkenswertes Baudenkmal der Jahrhundertwende. Großteils aus Betonfertigteilen zusammengefügt, zeugt das 1901 eingeweihte Portland-Cement-Haus vom Zeitgeist und der Experimentierfreude der Urväter der heutigen Zement- und Betonindustrie. Betonmodule, Deckenscheiben aus Beton, Treppen aus vorgefertigten Betonsegmenten, vorgefertigte Elemente für Friese aus Beton, eingefärbter Sichtbeton und Betondachsteine. Die Liste der einzelnen Bauteile aus Beton liest sich wie eine moderne Baubeschreibung. Dabei sind die in einer denkmalgerechten Sanierung freigelegten Betonelemente in frühester industrieller Bautechnologie hergestellt worden. Noch heute sind sie in einem einwandfreien Zustand. An der repräsentativen Treppe wurden unter vielen Anstrichen florale Ornamente freigelegt, die ebenfalls aus vorgefertigten Betonmodulen bestehen. An diesen roten Betondekorationen wird deutlich, dass bereits vor mehr als hundert Jahren das dauerhafte Einfärben mit Pigmenten, wie wir es heute von modernen durchgefärbten Betonen kennen, möglich war und praktiziert wurde. Auch im Garten wurde für Mauern und Bodenplatten ausschließlich Beton verwendet.
Beton - ein Jahrhundertwerkstoff
Einst Laboratorium zur "Pflege der Wissenschaft der hydraulischen Erhärtung" wie es in einer zeitgenössischen Berichterstattung heißt, repräsentierte das 1901 eingeweihte Gebäude seine wirtschaftlich bedeutsame Bauherrenschaft. Mit der Bauweise in Betonfertigteilelementen stellte der 1877 gegründete ‚Verein Deutscher Portland-Cement-Fabrikanten’ selbstbewusst Produkte seiner Mitglieder vor. Um die Jahrhundertwende war den Unternehmern bereits bewusst, dass Beton als innovativer Baustoff ein hohes gestalterisches und wirtschaftliches Potential hat. Um die Qualität der sich rapide steigernden Zementproduktion zu gewähren und kontinuierlich zu verbessern, baute der Verein eine Forschungseinrichtung, die frei von wirtschaftlichen Interessen einzelner Vereinsmitglieder eine unabhängige Normenkontrolle und wissenschaftliche Erforschung der Eigenschaften und Bestandteile von Portlandzement und seiner Produkte ermöglichen sollte. Schon früh wurden im Laboratorium in Karlshorst Betone auf Druck-, Zug- und Biegefestigkeit sowie ihre Wasserdichtigkeit, Frost- und Feuerbeständigkeit geprüft. Bereits einige Jahre nach der Fertigstellung wurde der Betonbau aufgestockt und schon 1925 war ein zweigeschossiger Erweiterungsbau nötig, der formal strenger, dennoch expressionistische Details zeigt. So konnte dem Laboratorium auch ein Zementmuseum angegliedert werden, das im großen Saal eine Schausammlung historischer Mörtel und Betonstücke zeigte, sogar ein 1700 Jahre alter römischer Betonblock war der Öffentlichkeit zugänglich. Die konsequente Normenüberwachung und fundierte Forschung verschaffte dem Laboratorium in Berlin-Karlshorst bald nationale und internationale Bedeutung.
Bewährte Bauweise für moderne Nutzung
Wie zukunftsweisend die frühen Betonfertigteile für den Bau waren, lässt sich nach der denkmalgerechten Sanierung deutlich ablesen. Beispielhaft zeigt das Portland-Cement-Haus die hohe Fertigungsqualität der Betonprodukte und ihre über hundertjährige Haltbarkeit. Für die Bauherren, eine Architektin und einen Stadtplaner, beweisen die vergleichsweise geringen Sanierungskosten, dass sich hohe Bauqualität auf Dauer auszahlt und sich dadurch die Kosten für Modernisierung und Sanierung im Bestand in Grenzen halten. Als Bauwerk von industriekulturellem Wert steht das Haus unter Denkmalschutz. Schließlich war es zu seiner Entstehungszeit eine der ersten und wenigen Forschungseinrichtungen in Deutschland. Heute sind zwei Wohnungen und eine Architekturwerkstatt integriert. Dem Engagement der heutigen Besitzer ist zu verdanken, dass das Gebäude nicht in Vergessenheit gerät und weiterhin für Interessenten offen steht. Veranstaltungen und Führungen durch das Haus können mit der Bauherrin, Christine Neukirch-Lange, Telefon 030 5089052, vereinbart werden. Dieses und weitere interessante Bauobjekte sind unter www.beton.org/objekte zu finden.
Quelle: Pressemeldung BetonMarketing Deutschland GmbH
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