Generationengerechtigkeit für die eigenen vier Wände

24.09.2009 | München
Barrierefreies Wohnen - ein Thema, das nicht nur ältere Menschen angeht. Kai Fischer, Leiter des Fachbereichs Baufinanzierung bei Allianz Leben, erklärt warum das Konzept so wichtig ist und wie es sich bereits in die Planung einer eigenen Immobilie einbeziehen lässt.

Eine eigene Immobilie - womöglich die größte Möglichkeit im Leben, mal alles nach den persönlichen Vorstellungen zu gestalten. Sich zu verwirklichen, Akzente zu setzen. Gegebenenfalls mal Form vor Funktion zu stellen. Dass man sich eines Tages in den eigenen vier Wänden nicht mehr zurecht finden, an gefährlichen Kanten, engen Winkeln, steilen Aufstiegen scheitern könnte, mag da eine befremdliche Vorstellung sein - gerade für junge Bauherren.

Dabei wollen zwei Drittel der Deutschen am liebsten lebenslang in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Das hat eine aktuelle Umfrage der Allianz 2009 ergeben. Die Unabhängigkeit im Alter ist ein wichtiges Gut - für das bereits in jungen Jahren das Fundament gelegt werden kann. "Die Idee vom 'barrierefreien Wohnen' geht alle an", sagt daher Kai Fischer, Leiter Baufinanzierung bei der Allianz, der im Interview mit allianzdeutschland.de über Träume, Treppen und Trends im Wohnbau spricht.

Barrierefreiheit fängt idealerweise bereits in der Planungsphase an. Dem Wunsch nach modernem Design muss dies nicht widersprechen.

Herr Fischer, "barrierefreies Wohnen" klingt ja etwas sperrig …

Kai Fischer: "Also, wenn es allein am Begriff hängt: Sie können auch 'Universal Design' oder 'Design für alle' dazu sagen. Vielleicht geht das leichter über die Lippen - im Kern meint es aber dasselbe. Wir stehen vor einer gewaltigen gesellschaftlichen Herausforderung: Dank medizinischer Fortschritte werden wir immer älter. Das ist fantastisch, aber es bedeutet eben auch, dass immer mehr Menschen mit altersbedingten Problemen konfrontiert werden - sich nicht mehr so leicht fortbewegen zu können, schlechter zu sehen, pflegebedürftig zu sein.

Gleichzeitig gehen die Geburtenzahlen zurück. In Deutschland leben immer weniger junge Menschen - und damit auch immer weniger potenzielle Helfer für Senioren. Zudem werden Mehrgenerationen-Haushalte seltener. Die Zahl der Haushalte, in denen drei oder mehr Generationen unter einem Dach zusammen wohnen und sich gegenseitig unterstützen, ist heute schon verschwindend gering gegenüber Ein- bis Zwei-Generationen-Haushalten. Diese Tendenz, verbunden mit dem weit verbreiteten Wunsch, auch im Alter selbstbestimmt im eigenen Heim leben zu können, zeigt, wie wichtig barrierefreies Wohnen ist."

Das leuchtet ein. Aber warum sollte sich denn ein junger, gesunder Mensch mit solchen für ihn doch fernen Themen auseinandersetzen?

Kai Fischer: "Es ist ja so: Viele Menschen verspüren den Wunsch nach Wohneigentum, sobald sie eine Familie gegründet haben. Oft ist bereits Nachwuchs da - und der wird entsprechend eingeplant: Treppengitter, damit sich die Kleinen nicht verletzen; Zimmer, die Potenzial haben, 'mitzuwachsen'; vielleicht ein Raum für besondere Hobbys. Diese Überlegungen in die Gestaltung der eigenen vier Wände einzubeziehen, scheint ganz selbstverständlich.

Warum also nicht auch gleich mit bedenken, wie sich die eigenen Ansprüche im Laufe der Zeit ändern könnten? Dabei muss es nicht allein ums Alter gehen - was, wenn ein Familienmitglied etwa durch einen Unfall oder eine Erkrankung in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird?"

Trotzdem: Es ist doch nachvollziehbar, wenn einem Bauherren die schick designte Treppe näher ist als die Frage, ob da auch eine Aufstiegshilfe dran passt.

Kai Fischer: "Nun, Sie wollen sich natürlich in Ihrer Immobilie wohl fühlen. Aber es ist durchaus möglich, Barrierefreiheit und Design zu kombinieren - indem Sie beispielsweise auf eine Wendeltreppe verzichten und stattdessen mehr Platz beim Bau der Treppe einplanen, um später bei Bedarf Veränderungen vornehmen können. Solche Vorkehrungen sollten am besten schon bei der Planung getroffen werden, so dass sie eine spätere Umnutzung zulassen, ohne heute die Optik zu stören.

Ein weiteres Beispiel ist die Verbindung zwischen Erdgeschoss und erster Etage. Oftmals ist sie so schmal gebaut, dass dort nie und nimmer ein Rollstuhl hindurch passt. Warum nicht gleich mit dem Bauträger eine Lösung vereinbaren, die eine spätere Umrüstung zulässt? Und über etwas breitere Türstöcke werden Sie sich vielleicht bereits beim Einzug freuen, wenn die Möbel kommen - oder im Alltag, wenn es gilt, einen Kinderwagen oder den Wocheneinkauf zu transportieren.

Bedenken Sie auch: Barrierefreiheit - beziehungsweise die Möglichkeit einer einfachen Umrüstung - steigert den Wiederverkaufs- oder Vermietungswert einer Immobilie. Auf einem Markt, der immer stärker von älteren Nachfragern geprägt sein wird, kann eine entsprechende Ausstattung ein wertvolles Argument sein."

Stichwort Kosten: Wie lässt sich barrierefreies Bauen denn am besten finanzieren? Gibt es Förderungen? Und wer kann beraten?

Kai Fischer: "Barrierefreiheit ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das bereits in einer DIN-Norm seinen Niederschlag gefunden hat (Anm. der Redaktion: DIN 18025 Teil 1 und Teil 2) - und es wird dem entsprechend auch gefördert. Die KfW-Förderbank hat im April 2009 das Programm 'Wohnraum modernisieren - altersgerechter Umbau' aufgelegt. Dahinter steckt sogar noch mehr als der Titel vermuten lässt: Unabhängig vom Alter der Bewohner werden auch Maßnahmen wie zum Beispiel Umbauten für Rollstuhlfahrer oder die Verbreiterung eines Zugangs für Zwillingskinderwagen gefördert.

Meist sind beim Umbau in eine barrierefrei Wohnung zeitgleich Baumaßnahmen zu Energieeinsparungen sinnvoll. Auch hier gibt es KfW-Programme, die wir in Zusammenarbeit mit der zur Allianz gehörenden Oldenburgischen Landesbank (OLB) anbieten. Sie können im Zusammenhang mit einer Allianz Baufinanzierung beantragt werden. Da Immobilien in der Regel selbstgenutzt sind, sollte auch die Verwendung der Riester-Förderung geprüft werden.Eine fachkundige Beratung erhalten Sie bei Ihrem Allianz Fachmann vor Ort."

Quelle: Pressemeldung Allianz Deutschland AG

Dieser Beitrag wurde bisher 68 mal gelesen.
(Rang 701 auf baufinanzierung-news.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Umzug mit Freunden

26.01.2012 | "Der Umzug steht an. worauf muss ich achten?" Hier ist guter Rat teuer, es zieht nicht nur ein ganzer...

weiter in Umzug mit Freunden ...

63 Strom- und 53 Gasanbieter kündigen Preiserhöhungen an

17.11.2011 | Zum Dezember und Januar haben 63 Stromanbieter Preiserhöhungen von durchschnittlich 3 Prozent angekündigt. Im...

weiter in 63 Strom- und 53 Gasanbieter ...

Wohnriester: Mit Bausparen ins Eigenheim

04.11.2011 | Die Förderungen der Riester-Rente sind ein wichtiger Bestandteiler einer jeden Altersvorsorge. Kapitalwachstum...

weiter in Wohnriester: Mit Bausparen ins ...

Schluss mit feuchten Kellern

15.09.2011 | BetonMarketing Ost startet im November Veranstaltungsreihe "Weiße Wannen"

weiter in Schluss mit feuchten Kellern ...

Der Traum vom eigenen Haus

24.08.2011 | Wer hat nicht schon einmal von einem eigenen Haus geträumt? Leider ist dieser Traum für viele nicht zu...

weiter in Der Traum vom eigenen Haus ...



Aktuelles

Als Selbständiger beim Hausbau weiterdenken

Unser Gastautor Holger Bethke ist Experte für die...

weiter ...

Telekom Entwicklerplattform Developer Garden bietet API für Scout24- Marktplätze

Inhalte von ImmobilienScout24, AutoScout24, FriendScout24,...

weiter ...

Neuigkeiten

Für eine gesunde Zukunft - Hybrid Autos

Deutschland ist in vielen Bereichen der erneuerbaren...

weiter ...

Trotz konstanter Leizinsen: Banken erhöhen Darlehenszinsen

Erst vor wenigen Tagen hatte die Europäische Zentralbank...

weiter ...

Weitere Themen

Umzug mit Freunden

"Der Umzug steht an. worauf muss ich achten?" Hier ist guter...

weiter ...

63 Strom- und 53 Gasanbieter kündigen Preiserhöhungen an

Zum Dezember und Januar haben 63 Stromanbieter...

weiter ...

Archiv

237 Gasversorger kündigen Preiserhöhungen an

Der Winter kommt, das Gas wird teurer. 237 Gasanbieter haben...

weiter ...

Bundesnotarkammer besucht Standesämter im gesamten Bundesgebiet

Die Vorbereitungen für die Einführung des Zentralen...

weiter ...

Verschiedenes

Mietrecht muss klimafreundlich und sozial gerecht sein

Zum Referentenentwurf der Bundesregierung für ein "Gesetz...

weiter ...

Wettbewerb: Hightech- Lösungen für die Stadt von morgen

BITKOM und CeBIT richten erstmals "Urban Solutions" Pitch"...

weiter ...