Gezielte Innenentwicklung stärkt Ortskerne und mindert Flächenverbrauch

01.12.2008 | Augsburg
Modellprojekt Oberes Werntal abgeschlossen: Flächenpotenzial innerorts zehnmal höher als Baulandbedarf / LfU-Präsident Göttle empfiehlt, vorrangig die Flächen innerorts zu nutzen und so zum Flächensparen beizutragen

+++ Ausgestorbene Dorfkerne neben Baugebieten auf der grünen Wiese - soweit soll es in Bayern nicht kommen. Muss es auch nicht, denn das Flächenpotenzial innerhalb der Gemeinden ist riesig: Mehr als 250 Hektar potenzielle Baufläche innerorts stehen einem Baulandbedarf von nur 25 Hektar in den nächsten 15 Jahren gegenüber. Diese erfreuliche Bilanz zog Ministerialrätin Christina von Seckendorff heute in Niederwerrn bei der Abschlussveranstaltung des Modellprojektes "Flächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit", das das Landesamt für Umwelt (LfU) im Oberen Werntal angestoßen und fachlich begleitet hat. LfU-Präsident Albert Göttle unterstrich die wegweisende Bedeutung dieser Flächenbilanz und forderte die Gemeinden in ganz Bayern auf: "Treiben Sie die Innenentwicklung voran. So bleiben die Ortskerne lebendig und in der Landschaft werden weniger Flächen verbaut." Dass Innenentwicklung nicht nur ideal klingt, sondern sogar kurzfristig umsetzbar ist, zeigt das Beispiel der Werntal-Gemeinden: Eine Briefbefragung der Grundstückseigentümer ergab, dass genügend Flächen rasch mobilisierbar sind. Göttle betonte: "Innenentwicklung ist machbar - zugleich halten Sie Ihre Infrastruktur kompakt und wählen die langfristig kostengünstigste Lösung und schützen das Klima!" Um gerade kleinere Gemeinden beim Flächenmanagement zu unterstützen, wurde das Modellprojekt Oberes Werntal ins Leben gerufen. Die Maßnahme aus dem "Bündnis zum Flächensparen" wurde vom Bayerischen Umweltministerium, dem Landesamt für Umwelt (LfU) und der Obersten Baubehörde gemeinsam betreut und vom Umweltministerium mit 40.000 Euro finanziell gefördert. +++

Flächenmanagement muss über Gemeindegrenzen hinweg organisiert werden, soll es zielführend sein. In der "Interkommunalen Allianz Oberes Werntal" haben sich daher neun Gemeinden in den unterfränkischen Landkreisen Schweinfurt und Bad Kissingen zusammengeschlossen, um erstmals in Bayern ein gemeinsames Flächenmanagement praktisch zu erproben. Die Arbeiten wurden vom LfU angestoßen und fachlich begleitet. Ziel war, dass auch kleinere Gemeinden von den Ergebnissen des Modellprojektes profitieren können. Daher wurden spezielle Arbeitshilfen erstellt, mit der die Innenentwicklung sogar mit eigenen Mitteln voranzubringen ist: Eine Datenbank vereinfacht die Erfassung der Baulandpotenziale, mit vorgefertigten Musterschreiben können die Besitzer unbebauter Grundstücke angeschrieben werden und sogar eine behördlich abgestimmte Bedarfsberechnung wird angeboten.

Seit einigen Jahrzehnten sind viele Ortskerne in den ländlichen Gebieten Bayerns "vom Aussterben bedroht": Sie verlieren ihre Lebendigkeit, weil die Bauernhöfe nach und nach aussiedeln oder aufgegeben werden. Die Hofstellen sind häufig nur von den Altenteilern bewohnt oder stehen leer. Die zum Teil großen Grundstücke werden wie viele Baulücken oft lange Zeit nicht verwendet. Gleichzeitig wird Bauland auf der grünen Wiese ausgewiesen, obwohl auch der Zuzug seit einigen Jahren sinkt. Die Folge: Kindergartengruppen und Grundschulklassen in kleineren Ortschaften werden nicht voll und teure Infrastruktur muss vorgehalten werden. Neue Baugebiete auszuweisen, lohnt in dieser Situation kaum noch. Das Modellprojekt im Oberen Werntal zeigt günstigere Lösungen.

Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Umwelt

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