Studie zu Altersvorsorge: Frauen fürchten Altersarmut

27.10.2009 | Wiesbaden
Finanzkrise hat viele Frauen in Deutschland beim Thema Altersversorgung verunsichert. Angst vor Altersarmut steigt vor allem bei Jüngeren. Bisherige Vorsorgestrategien auf dem Prüfstand. Rat des Partners weniger gefragt

Rund 40 Prozent der deutschen Frauen fürchten, dass sie im Alter einen niedrigeren Lebensstandard haben oder sogar von Altersarmut bedroht sein werden. Vor allem junge Frauen rechnen stärker als noch vor einem Jahr mit einem sinkenden Lebensstandard im Ruhestand. Aber die deutschen Frauen tun auch etwas dagegen: bei 57 Prozent steht die Vorsorge für die Rente an erster Stelle. Das sind einige der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest im Herbst 2009 im Auftrag des Wiesbadener Finanzdienstleisters Delta Lloyd nun schon zum dritten Mal durchgeführt hat. Insgesamt wurden im Rahmen dieser Studie 1.000 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren zum Thema Altersversorgung befragt.

Niedrigerer Lebensstandard befürchtet

Die Angst vor einem sinkenden Lebensstandard oder sogar Altersarmut ist bei Frauen in Deutschland insgesamt weit verbreitet, immerhin 40 Prozent äußern diese Befürchtung. Sehr stark zugenommen hat die Angst vor finanziellen Einbußen im Ruhestand bei jungen Frauen zwischen 18 und 25: mittlerweile fürchten knapp 40 Prozent dieser Altersgruppe, dass sie im Alter einen niedrigeren Lebensstandard haben werden, im letzten Jahr waren es mit 27,5 Prozent noch 12,2 Prozent weniger. Sogar Schülerinnen machen sich verstärkt Sorgen um ihre finanzielle Situation im Alter. Immerhin 8,5 Prozent fürchten sich vor Altersarmut, 2008 war es nur ein Prozent. Ganz offensichtlich hat die Sensibilität für dieses Thema deutlich zugenommen.

Große Sorgen um ihre Altersversorgung machen sich auch Arbeiterinnen und Hausfrauen. Fast die Hälfte der befragten Arbeiterinnen, nämlich 48,5 Prozent, fürchten einen sinkenden Lebensstandard im Alter, 2008 waren es mit 33,9 Prozent noch erheblich weniger. Es ist zu vermuten, dass die Finanzkrise und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt diese Sorge geschürt hat. Dementsprechend ist auch bei den deutschen Hausfrauen die Angst vor Altersarmut von 5,5 Prozent im Vorjahr auf aktuell 15,2 Prozent gestiegen.

Vorsorgestrategien werden überdacht - Rat des Partners weniger geschätzt

Die Finanzkrise hat offensichtlich auch dazu geführt, dass die deutschen Frauen ihre bisherige Vorsorgestrategie auf den Prüfstand stellen. Bei der Frage, auf wen oder was sich die Frauen beim Thema private Altersvorsorge verlassen, gaben nur noch 46,4 Prozent ihre bisherige Vorsorgestrategie an, im Vorjahr waren es noch 56,6 Prozent. Gleichzeitig ist auch die Ratlosigkeit gewachsen, immerhin 9,2 Prozent aller befragten Frauen machten keine Angabe, 2008 waren es nur 5,3 Prozent.

Eindeutig weniger gefragt ist in Finanzfragen der Rat des Partners: nur noch 16,7 statt 21,8 Prozent verlassen sich beim Thema Altersvorsorge auf ihren Freund oder Mann. Vielfach holen die Frauen lieber professionellen Rat ein, mehr als ein Fünftel, 21,5 Prozent, wenden sich bei der Finanzplanung für das Alter an einen Finanzberater (2008: 19 Prozent).

Ein Fünftel verlässt sich auf die gesetzliche Rente

Auf die gesetzliche Rente verlassen sich noch immer etwas mehr als ein Fünftel der deutschen Frauen, nämlich 21,2 Prozent. Dieses Niveau hat sich in den letzten Jahren in Deutschland insgesamt nicht signifikant verändert. Doch gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: Unverändert zählen rund 21 Prozent der westdeutschen Frauen auf die Rente vom Staat, bei den ostdeutschen Frauen sind es noch mit 24,7 Prozent etwas mehr. Allerdings waren es in den neuen Bundesländern im Vorjahr noch 31,9 Prozent. Auch hier scheint sich die öffentliche Debatte über das sinkende Rentenniveau niedergeschlagen zu haben.

Eigenheim verliert an Bedeutung

Bei der Frage, für welche Bereiche man am ehesten vorsorgen muss, liegt die Rente mit 57 Prozent ganz klar vorn. Die Bedeutung der Altersvorsorge hat sich über die letzten Jahre fest in den Köpfen der Frauen verankert und steigt auch weiterhin. Stark in den Hintergrund gerückt ist hingegen das Eigenheim. Während 2008 noch 10,3 Prozent der befragten Frauen das Sparen für die eigenen vier Wände wichtig fanden, sind es nun nur noch 5,3 Prozent. Dazu Sabine Peters, Vorsorgeexpertin von Delta Lloyd: "Möglicherweise hat auch hier die Finanzkrise die Prioritäten verschoben. Die Frauen setzen mit der Vorsorge für die Rente ganz klar den richtigen Schwerpunkt. Eine Immobilie kann hier zwar eine gute Ergänzung sein, eine umfassende finanzielle Vorsorge sollte aber auf jeden Fall die Basis bilden."

Große Unterschiede gibt es bei der Bereitschaft für das Alter vorzusorgen zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Für die Frauen im Westen hat die Bedeutung der Altersvorsorge deutlich zugenommen: 57,3 Prozent statt 52,3 Prozent sieht hier den Schwerpunkt. Bei den ostdeutschen Frauen ist hingegen ein gegenläufiger Trend zu beobachten. Hier räumen nur noch 55,7 statt 70,6 Prozent dem Sparen für die Rente einen hohen Stellenwert ein.

Informationen zur Studie:

Insgesamt wurden im Rahmen dieser Befragung, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag des Finanzdienstleisters Delta Lloyd durchgeführt hat, im September 2009 1.000 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren befragt, wie sie den Vorsorgebedarf für ihre Altersabsicherung einschätzen und in welchem Rahmen sie bereits Vorsorgemaßnahmen ergriffen haben. Die interviewten Personen repräsentieren einen Querschnitt der weiblichen Bevölkerung in Deutschland. Die Befragung wurde in computergestützten Telefoninterviews anhand eines strukturierten Fragebogens nach der Methode des Computer Aided Telephone Interviewing (CATI) durchgeführt.

Quelle: Pressemeldung Delta Lloyd Deutschland AG

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