Vorbildlich instandgesetzt zum reizvollen Wohn- und Atelierhaus
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeichnet das Blumenhaus im Schlosspark Schieder (Kreis Lippe) wegen seiner vorbildlichen Sanierung als Denkmal des Monats Oktober aus. "Die Instandsetzung des Blumenhauses verdeutlicht, wie durch enge und offene Zusammenarbeit zwischen engagierten Bauherrn, erfahrenen Planern und beteiligten Behörden ein Baudenkmal wieder seinem historischen Vorbild gerecht wird und dennoch den heutigen Nutzungsanforderungen entspricht", lobt die LWL-Denkmalpflegerin Saskia Schöfer.
Das Blumenhaus ist ein Zwillingsbau, der Anfang des 18. Jahrhunderts im Schlossgarten Schieder errichtet wurde. Ursprünglich als Gewächshaus genutzt, vermietete die Stadt Schieder-Schwalenberg das Gebäude zuletzt als Zweifamilienhaus.
Der Nutzungswandel führte dabei zu massiven Umbaumaßnahmen. Der Grundriss und die innere Architektur wurden durch den Einbau von Betondecken oder die Tieferlegung des Kellers völlig verändert. Als das Gebäude 2008 in den Besitz der heutigen Eigentümer überging, war von der historischen Substanz kaum noch etwas erkennbar.
Vor Beginn der Instandsetzungsarbeiten führten die Bauherren eine intensive Recherche in verschiedenen Archiven und Bibliotheken zur Baugeschichte des Gebäudes durch. Dabei waren nur wenige verlässliche Unterlagen auffindbar. "Die Bauakten waren wenig ergiebig, so dass erst nach vorsichtigen Freilegungsarbeiten Hinweise auf die historische Struktur sowie Material- und Farbgebung vorlagen", so Schöfer.
Durch die Rückführung einiger Baumaßnahmen im Inneren des Gebäudes konnte die alte Raumaufteilung wieder deutlich gemacht werden. Der dadurch neu entstandene Grundriss eignet sich hervorragend für eine Wohn- oder Ateliernutzung. Die hohen, offenen Räume im Mittelbereich beider Geschosse dienen der Eigentümerin als öffentliche Ausstellungsfläche für ihre Kunstgemälde.
Im Außenbereich wurden die schräg in die Mauer eingeschnittenen Umfassungen der Fenster, die sogenannten Sandsteingewände, wieder freigelegt, gereinigt und teilweise ergänzt. Die Fenster erhielten ihre ursprünglich vorhandene Sprossenteilung und die grau-grüne Farbe zurück. Wegen fehlender Hinweise auf die historische Farbgestaltung der Außenwände wurden diese in einem hellgelb-beige in Anlehnung an die Fassaden des Schlosses und der zugehörigen Nebengebäude gestrichen. Der Haupteingang wird wieder über eine Treppenanlage aus Sandstein erschlossen, wie es auf alten Fotos zu sehen ist.
Einzig bei der Dachgestaltung wurden Kompromisse eingegangen, weil die frühere Biberschwanzdeckung bereits in großen Teilen durch Tonpfannen ersetzt worden war und auch das Zwillingshaus entsprechend gedeckt ist. Ebenso wurden die bereits vorhandenen Dachflächenfenster beibehalten, um die Schlafräume im Obergeschoss zu belichten.
"Die Stadt Schieder-Schwalenberg erhält durch die Privatinitiative der neuen Eigentümer eine weitere kulturelle Bereicherung, die zur Attraktivität des Kurortes beiträgt", freut sich Schöfer über das gemeinschaftliche Projekt.
Hintergrund
Das Schloss Schieder wurde in den Jahren 1700-06 von Rudolf Graf zu Lippe-Brake als schlichter Barockbau errichtet. Südlich des Schlossgebäudes entstand Anfang des 18. Jahrhunderts eine terrassierte Gartenanlage, die als Grundlage des heutigen Schlossparks zu sehen ist. Im Norden setzte eine 1704-05 gepflanzte Allee mit 260 Linden, die über den Fluss Emmer hinausführte, einen deutlichen Akzent.
Von 1789-1918 war das Schloss mit dem rund 20 Hektar großen Park Sommersitz der lippischen Regenten und ging anschließend in den Besitz des Landes Lippe über. In den Jahren 1922-1968 von der Reichs- beziehungsweise Bundesbahn als Kinderheim genutzt, ist das Schloss Schieder heute Sitz des Kurgastzentrums und wird für Veranstaltungen genutzt.
Der Schlosspark wurde bereits 1914 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und befindet sich seit 1963 im Besitz der Stadt Schieder-Schwalenberg.
Zur Gesamtanlage gehört weiterhin der 1832 entstandene Marstall, wo Pferde, Kutschen, Wagen und Geschirr untergebracht wurden. Außerdem ist das zeitgleich errichtete Remise entlang der nördlichen Lindenallee noch erhalten, sowie das sogenannte Prinzen- oder Teehaus aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Bereits um 1817 werden die zwei Kavaliershäuser an der Lindenallee erwähnt, zwischen denen sich das nördliche Eingangstor befand und die den Abschluss der von Leopold II. erweiterten Gartenanlage bildeten. Diese Zwillingsbauten wurden auch Gärtnerhaus und Gewächshaus genannt, wobei das westliche Gebäude im Sprachgebrauch als Blumenhaus überliefert ist
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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